I love my Lapicorne

Ich habe viele tolle Weihnachtsgeschenke bekommen. Wirklich. Geschmackvolle. Intelektuelle. Nützliche. Furchtbarerweise halte ich trotzdem dieses Lapicorne, ein Lapin crétin im Einhornkostüm, für das tollste. Es macht Geräusche! Ich liebe es!!!

Und das sind Lapins crétins:

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Weniger Stress = weniger Migräne (was ist das Leben ohne Jobcenter schön)

Ja, mich gibt es noch. Eigentlich hatte ich auch genug Ideen für Beiträge, war aber zu unmotiviert.

Seit Längerem schiebe ich z. B. einen Beitrag zur Entwicklung meiner Migräne vor mir her, weil ich dem noch nicht wirklich traue. Mir kommt es immer noch zu früh vor, aber im Fall der Fälle kann ich ja alles wieder revidieren.

Ab September wusste ich, dass ich durch den Tod meines Vaters zu Geld kommen und damit aus dem Hartz-IV-Bezug fallen würde. Ende Oktober wurde das Geld von der Lebensversicherung ausgezahlt, weshalb ich seit November kein ALG-II mehr beziehe.

In der ersten Hälfte 2017 hatte ich im Schnitt 9,2 Mal im Monat Migräne. Im September waren es 7 Mal, im Oktober 4, im November 3 und im Dezember 6 Mal. Von Oktober-Dezember war die höchste Stärke 2 (von 10; im Vergleich Januar 5, Februar 10, März 3, April 5, Mai 4, Juni und Juli 3). In der ersten Hälfte 2017 war ich an 11 Tagen aufgrund von Migräne arbeitsunfähig, in der zweiten Hälfte einmal. Jetzt sag mir noch mal einer, dass das Jobcenter nicht krank macht.

Leider gab es im Dezember wieder eine leichte, beunruhigende Zunahme und auch im Januar hatte ich schon 4 Mal Migräne. Aber ich konnte die Auslöser besser identifizieren. Natürlich ist es meistens Stress, aber im ALG-II-Bezug war ich praktisch durchgehend gestresst, da konnte ich nicht trennen, was der endgültige Auslöser war.

Im Dezember war es Weihnachtsstress. Einmal das vorweihnachtliche Geschenke kaufen, als ich einiges beinahe nicht rechtzeitig besorgen konnte. Und dann natürlich das weihnachtliche Familienbesuchen, vom 24.-29.12., wo ich ständig von Menschen umgeben war (und die Reisen runter nach NRW und wieder rauf).

Als ich in den ersten beiden Wochen des neuen Jahres schon wieder vier Attacken hatte, habe ich mir diese Woche die Zeit genommen, genau hinzuschauen. Denn eins will ich ganz sicher nicht: in die frühere Migränehäufigkeit zurück.

Was ich feststellen muss, ist, dass ich immer noch gut darin bin, mir selbst Stress zu machen. Diese Woche gleich am Montag und Dienstag als Reaktion Migräne bekommen. Obwohl gerade Wochenende war, hatte ich das Gefühl, unausgeglichen zu sein, nicht genügend Zeit für Erholung gehabt zu haben. Irgendwann am Nachmittag sank meine Laune total in den Keller und ich hätte die Arbeit am liebsten hingeschmissen.

Ich habe zwei wichtige Trigger herausarbeiten können:

Schlechtes Gewissen. Ich lese gerade „Wut ist ein Geschenk“ von einem Enkel von Mahathma Ghandi. Der Autor will mir kein schlechtes Gewissen machen, aber gegen das Vorbild Ghandis kann ich nur verlieren. Ich mag Pracht, Protz und Prunk, ich häufe zu viel Besitz an, kaufe nicht nur fair gehandelte Biokleidung und Second Hand, denke nicht genug über die Konsequenzen meines Konsums nach, engagiere mich nicht in der Flüchtlingshilfe oder nehme an Demos teil etc. Ich fange an zu überlegen, welche meiner Hobbies ich besser einstellen sollte, weil sie nicht so sinnvoll sind wie z. B. Kinder aus indischen Waienhäuser zu retten, wie es Arun Ghandi tut. Der durch das schlechte Gewissen verursachte Druck führt zu Migräne.

Kontakte. Ich erhole mich in Kontakten nicht, auch nicht bei Treffen und Telefonaten mit Freunden. Eliah ist die einzige Ausnahme. Das ist deprimierend. Nicht dass mir die Treffen und Telefonate mit meinen Freunden keine Freude machen würden, aber ich komme nicht in eine Entspannung. Ich fühle mich, als wäre ich ein schlechter Mensch, denn soziale Kontakte pflegen und für meine Freunde da sein, bewerte ich ethisch als wertvoller als Witcher I zu spielen. Darum fällt es mir auch schwer, nein zu sagen, wenn jemand anruft, ich aber merke, dass ich die Zeit besser für mich bräuchte, denn an einem Abend, denn ich größtenteils mit Telefonaten verbracht habe, gehe ich schlecht gelaunt ins Bett, weil ich nicht zum Witcher spielen, lesen o. ä. gekommen bin. Die Erkenntnis hat mir zum Glück geholfen, mich von einer anstrengenden Bekannten abzugrenzen, die sehr mitteilungsfreudig ist, bei der ich selbst kaum zu Wort komme und die mich mit ihren Problemen zutextet, sodass ich nicht weiß, wie ich ein Telefonat beenden soll, ohne als herzlos und unsensibel dazustehen.

Nur, die Augen vor dem zu verschließen, was schief läuft, und mit Eliah auf eine einsame Insel ohne Internet zu ziehen, ist auch keine Lösung. Wobei ich mir fürs Erste vorgenommen habe, mich auf die Kontakte zu konzentrieren, die mir wirklich wichtig sind, mir jeden Tag eine Stunde für mich freizuhalten und vier Mal in der Woche min. 10 Minuten Sport zu machen und diese Ziele bis Ende Februar nicht in Frage zu stellen.

Langfristig stellt sich die alte Frage, wie ich meine Stressresistenz erhöhen kann (gerade auf Reisen könnte ich gut auf Migräne verzichten …).

Testamentseröffnung

Letzte Woche haben meine Schwester und ich die Nachricht vom Nachlassgericht bekommen, dass das Testament meines Vaters eröffnet wurde, mit beiliegender Kopie. Wir erinnern uns: Mein Vater ist im August gestorben. Eröffnet wurde das Testament eine Woche später, wie es im Schreiben heißt. Und dann haben sie knapp vier Monate gebraucht, uns das mitzuteilen. Ich glaube, wenn ich nicht vor etwa einem Monat dort angerufen hätte, um mal nachzufragen, hätten wir noch mal vier Monate warten können.

Die Eröffnung hat übrigens 100 € gekostet. Wenn mein Vater nichts hinterlassen hätte, wären die 50 €, die ich gezahlt habe, eine Ausgabe gewesen, die ein großes Loch in meine Finanzen gerissen hätte … Ich frage mich, ob wir Widerspruch dagegen einlegen können, wenn wir das Erbe ausschlagen.

Ich hatte kein gutes Verhältnis zu meinem Vater und trotzdem musste ich weinen, als ich seine Handschrift sah. Das hat mir die Endgültigkeit noch einmal bewusst gemacht. Ich wünschte, so vieles wäre anders gelaufen … und jetzt ist es zu spät, aber das war es eigentlich auch schon, während mein Vater noch gelebt hat, weil er sich nicht ändern wollte.

Sich mit Nachlassfragen ohne Beratung rumzuschlagen, ist gefährlich, so viel haben wir gelernt. Klar findet man eine Menge im Internet, aber die Frage ist immer: Hat sich da in den letzten x Jahren etwas geändert? Wenn zwei Anwaltsseiten etwas Verschiedenes behaupten, wem glaube ich? Und bei Unklarheiten kann man nicht nachfragen. Unser Fall verkompliziert sich, weil es nicht nur um Erb-, sondern auch Sozialrecht geht wegen den Leistungen, die mein Vater bezogen hat. Wir haben uns über Monate informiert (ein paar Fragen bei der ehemaligen Betreuerin meines Vater geklärt, ein paar mit diesem Amt, ein paar mit jenem, ein paar bei einer Beratungsstelle etc.). Das zuständige Sozialamt war dabei wunderbar desinteressiert, uns zu helfen. Auf den letzten Brief und die letzte Mail habe ich nicht mal mehr eine Antwort erhalten.

Die Lebensversicherungen sind an uns ausgezahlt worden und ich habe mich noch mal bei der Lebensversicherung versichert, dass die uns zustehen, vollkommen egal, was im Testament steht und ob wir das Erbe annehmen oder ausschlagen. Dann tatsächlich diese Woche jemanden im Sozialamt per Telefon erwischt, der Auskunft gegeben hat:

1. Wenn das Amt Leistungen zurückfordert, dürfen wir nur knapp 2.600 € vom Erbe behalten (gemeinsam, also ca. 1.300 € für jeden). Zwar dürfen wir davon Verschiedenes abziehen (Schulden, Begräbniskosten), aber so ganz durchblicken wir das halt nicht, was wir nun alles geltend machen können. Es werden uns auf jeden Fall Kosten entstehen, ich rechne grob mit 1.000 €.

2. Ob sie Leistungen zurückfordern oder nicht (und wie hoch die Leistungen waren), wird eine Überraschung, die man irgendwann als Erbe erfährt. Aber nur als Erbe, nicht davor, damit man entscheiden kann, ob man das Erbe annimmt oder nicht. Sie können zurückfordern … und ob sie das tun oder nicht, dass kann uns wohl auch keine Beratungsstelle mit letzter Sicherheit sagen. Nach dem Verkauf der Wohnung könnte irgendwas zwischen 10.000-20.000 € übrig sein – wenn keine Rückforderungen kommen – und ich hätte natürlich überhaupt nichts dagegen, noch mehr Geld zu haben (ich liebe Geld), aber all der Stress (offene Rechnungen bezahlen, Grundbuchamt, Kontoauflösung, eventuell Erbschein beantragen, Wohnung auflösen und verkaufen), damit jeder von uns am Ende vielleicht 800 € bekommt? Und wir wissen halt nicht, was für versteckte Kosten da noch lauern könnten, weil wir uns nicht auskennen. Natürlich könnten wir zu einem Anwalt gehen, aber hey, eine Erstberatung kostet schon 180 €. Bei 10.000 € wäre das kein Problem, aber wenn nur 1.600 € bleiben …

Eigentlich hatten wir uns darauf geeinigt, auszuschlagen, aber ich bin doch in Versuchung, Anfang Januar einen Termin bei dem Sozialverband zu machen, bei dem ich Mitglied bin. Geld. MEHR GELD! Hatte ich gesagt, dass ich Geld liebe?

Am Rande: Die Bank meines Vaters verweigert meiner Schwester Einblick auf sein Konto, aber schickt seine Kontoauszüge immer noch an seine letzte Adresse.

Die Krankenkasse meines Vaters hat einen Brief an seine letzte Adresse geschickt, ob er an einer Studie zur Testung eines neuen MS-Medikaments teilnehmen will.

Das Jobcenter mahnt

Mahnung der Inkasso-Stelle der Agentur für Arbeit:

Die am 8.9.2017 fällige Forderung des Jobcenters über 400 € ist bisher nicht eingegangen. Mit der Mahnung werden Mahngebühren in Höhe von 5 € festgesetzt.

Hmm, interessant, dabei hat das Jobcenter mich überhaupt nicht dazu aufgefordert, irgendeine Summe an sie zu überweisen, weder zum 8.9. noch zu sonstirgendwann.

Anruf bei der Inkassostelle (übrigens sehr freundliche Mitarbeiterin).

„Ja, dabei handelt es sich um die im ersten Halbjahr 2017 zu viel gezahlten Leistungen.“

„Aber dafür habe ich nie eine Zahlungsaufforderung erhalten, denn im Schreiben von August heißt es:

Die gegen Sie bestehende Erstattungsaufforderung wird ab dem 1. Oktober in monatlichen Raten gegen die Ihnen zustehenden laufenden Leistungen aufgerechnet. Sie müssen den o. g. Betrag also nicht überweisen.

Seit November beziehe ich allerdings keine Leistungen mehr und seitdem warte ich darauf, dass mir das Jobcenter mitteilt, wohin ich den restlichen Betrag überweisen soll.“

„Also das funktioniert in 80 % der Fälle nicht,* dass das Jobcenter da erst mal eine Aufforderung rausschickt, sondern meistens geht das direkt an uns.“

„Aha, das ist ja schön. Ich sehe aber nicht ein, Mahngebühren zu zahlen, wenn ich vorher keine Zahlungsaufforderung erhalten habe.“

„Das kann ich verstehen. Ich lösche die Mahngebühren raus.“ (Ich sag ja, freundliche Mitarbeiterin)

Ich bin wirklich versucht, mich beim Jobcenter zu melden und nachzufragen, nach welchem mysteriösen System sie den 8.9. festgelegt haben und ob sie nicht meinen, der rechtskonforme Weg wäre es gewesen, erst eine Zahlungsaufforderung zu schicken, bevor sie mahnen, aber da mir die Sinnlosigkeit dessen bewusst ist, probiere ich den Drang zu unterdrücken.

*’funktioniert nicht‘ ist doch eine echt nette Umschreibung für: da sitzt ein Haufen Arschlöcher, der anderen Menschen gern das Leben schwermacht.

Eines ist mir jedenfalls vollkommen klar: Nie wieder ALG-II. Lieber heirate ich einen 90jährigen Milliardär und warte auf seinen Tod. Oder helfe nach. Alles ist erlaubt, um NIE WIEDER ALG-II zu beziehen.

Oury Jalloh – Die Täter sind frei

Ein Mensch ist verbrannt bei lebendigem Leib.
In der Zelle gefesselt. Die Täter sind frei.

Irie Révoltés – Jetzt ist Schluss

Der 2005 in einer Dessauer Polizeizelle verbrannte Asylbewerber Oury Jalloh wurde wahrscheinlich getötet. Das geht aus Ermittlungsakten zu dem Fall hervor, die dem ARD-Magazin Monitor vorliegen. Demnach kommen mehrere Sachverständige aus den Bereichen Brandschutz, Medizin und Chemie zu dem Schluss, dass ein Tod durch Fremdeinwirkung wahrscheinlicher sei als ein Suizid.

Aus der Zeit vom 16.11.2017

Vor zwei Jahren wurde das Verfahren gegen den Dienstgruppenleiter gegen eine Geldstrafe von 10.800 € eingestellt und auch dieses Verfahren, das den Tod aufklären soll, soll eingestellt werden. Obwohl mir schleierhaft ist, wie man davon ausgehen kann, Oury Jalloh habe sich selbst entzündet, außer man möchte etwas vertuschen. Wisst ihr, mir fehlen da einfach die Worte.