Bußgelder: Irgendwas läuft doch schief

Wenn jemand durch sein Verhalten das Leben anderer gefährdet, ist das in Deutschland, zumindest wenn man von der Strafe Rückschlüsse zieht, genau so schlimm wie länger als drei Stunden vor einer Bordsteinabsenkung zu parken.

Mit normalem Abfall wie z. B. Taschentüchern, Zigarettenschachteln oder Bananenschalen die Umwelt zu verschmutzen, führt in Niedersachsen zu einem Bußgeld von 10-50 €.

Das Bußgeld, wenn man den Kot seines Hundes liegenlässt, beträgt in Niedersachsen 50-100 €, in Brandenburg 10-20 €.

Dafür, den Radweg in falscher Richtung zu benutzen, werden 20 € fällig.

Für das Nichtbilden einer Rettungsgasse muss man ebenfalls nur 20 € zahlen. In Österreich sind es 2.180 €.

Falls ihr auch findet, dass an diesem Verhältnis der Bußgelder zueinander etwas nicht stimmt, könnt ihr hier unterzeichnen:

https://www.openpetition.de/petition/online/hoehere-strafen-fuer-nicht-beachten-der-rettungsgasse

Billig fliegen: Irgendwas läuft doch schief …

Ein Direktflug von Hamburg nach Helsinki kostet mehr als ein Flug mit Zwischenstopp in Riga oder Stockholm. Von Bremen nach Helsinki kann man nur Flüge mit Zwischenstopp in Amsterdam, Frankfurt oder München nehmen, die ebenfalls günstiger sind als der Direktflug von Hamburg. Riga und Stockholm liegen ja immerhin auf dem Weg, aber mit Amsterdam, Frankfurt und München entferne ich mich von Helsinki und trotzdem ist das günstiger!!! DAS IST KRANK! Und es gehört verboten. Kann mir außerdem jemand erklären, wie das überhaupt möglich sein kann, dass zwei Flüge günstiger sind als einer?

Ich habe inzwischen kapituliert. Gäbe es einen Direktflug von Bremen würde ich versuchen, Eliah zu überzeugen, den aus Gründen des Umweltschutzes zu nehmen, aber nach Hamburg kommt noch mal einiges an Fahrtkosten dazu und mit der Anfahrt wäre der Direktflug dann auch nicht mehr schneller als von Bremen aus mit Zwischenstopp.

 

Geschenke von Charles de Gaulle

Wenn Freunde von Eliah von weit her zu Besuch kommen und über den Pariser Charles-de-Gaulle-Flughafen reisen, ist es fast schon Standard, mir von dort etwas mitzubringen.

Ihr dürft gerne raten, was drin war. Zeigen kann ich es nicht, die Packung ist schon leer. Einen Laden von Pierre Hermé gibt es am Flughafen nicht, aber Laduree gehört immerhin noch zu der unteren Stufe der besten Patisserien (nicht das ich mich beschweren will. Obwohl … wenn sie länger Aufenthalt haben, könnten sie ruhig nach Paris reinfahren, um mir was bei Hermé, Un Dimanche à Paris oder Hugo et Victor zu holen, findet ihr nicht? 😉 ).

Mir fallen keine Probleme mehr ein

Noch zwei Stunden Therapie, dann ist es vorbei. Ich hätte einen Antrag auf Verlängerung stellen können, aber die letzten Wochen habe ich Probleme, Probleme aufzuspüren, die in einer Therapie behandelt werden müssten. Natürlich treibt mich ein Stück weit die Angst um, dass urplötzlich irgendwas aufpoppt, das mich retraumatisiert oder so, und es mir momentan nur so vorkommt, als wäre ich recht stabil, weil ich keine Trigger erlebe. Aber es hat sich vieles stark verbessert.

Z. B. Essstörung: Ich habe mir heute Vormittag Eis gekauft und es dann vergessen. Vorhin ist es mir zwar wieder eingefallen, aber ich habe keine Lust darauf. Es bleibt also im Gefrierfach. Seit letzter Woche liegt auch noch eine Packung Eszet hier rum. Zum Vergleich: Noch voll in der Sucht hätte ich das Eis auch gegessen, wenn mir kotzübel gewesen wäre. Nach einiger Zeit in der Genesung habe ich überhaupt keine Süßigkeiten im Haus gehabt, denn ich wusste, dass ich sie hätte essen müssen, und habe mir nach den Rezepten, die ich aus der Adula mitbekommen habe, Dessert zubereitet, weil der Gedanke, einen Tag ohne etwas Süßes überleben zu können, unvorstellbar war. Es ist noch gar nicht so viele Monate her, da war es zwar möglich, an einem Tag nichts Süßes zu essen, aber es hat mich deprimiert.

Z. B. von Anspannung runterkommen: Früher gab es nur eine Möglichkeit, schnell und zumindest für ein paar Stunden aus der Anspannung zu kommen: Sonne + Wärme + Natur. Das hat aber nur funktioniert, wenn ich allein war. Wenn ich anderen Personen begegnet bin, hat das die Anspannung gleich wieder hoch getrieben. Und ich erinnere mich an manches Mal, wo es eine halbe Stunde oder länger gedauert hat, bis die Entspannung kam. Oder ich gar nicht erst rauskonnte, weil die Vorstellung, anderen zu begegnen, schon Panik ausgelöst hat. Gestern habe ich einen Fuß in den Park neben der Innenstadt gesetzt und war entspannt.

Und ich habe nach wie vor den Eindruck, dass die noch bestehenden Probleme durch Üben mit der Zeit gelöst werden können und keiner tiefenpsychologischen Behandlung bedürfen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mal Vollzeit arbeiten kann. Ich kann mir aber vorstellen, dass ich in meinem Leben eine gute Balance zwischen Arbeiten, Pflichten und Freizeit herstellen kann, die dafür sorgt, dass die Migränerate runtergeht. Ich kann mir nicht vorstellen, meine Tage mit Aktivitäten vollzustopfen, wie einige das können. Ich kann mir aber vorstellen, damit gelassener umzugehen und das, was mir an einem Tag möglich ist, noch zu steigern.

Fast zehn Jahre ist mein Zusammenbruch her. So oft bin ich fast daran verzweifelt, dass ich, egal wie viele Anstrengungen ich unternahm, auf der Stelle zu treten schien. Jahrelanges Besprechen der immer gleichen Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln, jahrelanges entgegengesetztes Handeln, um alte Muster aufzubrechen. Und jetzt bin ich an einem Punkt, den ich mir schon gar nicht mehr habe vorstellen können, jemals zu erreichen.

Ich bin unendlich dankbar.

Parallelen und Veränderung

Ich habe mich ja mit diesem Kunden herumgeschlagen. Da er einfach nicht mit konkreten Zahlen rausrücken wollte, anhand derer ich ihm ein Angebot unterbreiten wollte, und ich das nur noch hinter mich bringen wollte, habe ich schließlich eine Summe als Honorar in den Raum geworfen, die fast das Doppelte von dem ist, was er vorgeschlagen hatte (und wir reden immer noch von Peanuts). Trotzdem dachte ich, er kriegt Schaum vorm Mund und wird wieder pampig. Aber nein, er hat einfach zugestimmt und das Geld sogar schon gezahlt. Dabei habe ich – aus Erfahrung – damit gerechnet, dass ich monatelang darauf warten muss. Dieses unerwartete Nachgeben hat mich ziemlich misstrauisch gemacht, aber was soll’s, die Sache ist endlich erledigt und jetzt höre ich hoffentlich nie wieder von ihm.

Eliah fand es ja nicht richtig, dass ich mich dazu bereiterkläre, weil es ungerecht ist. Er kam aber nicht mehr dazu, mich deshalb „auszuschimpfen“, denn genau zu dem Zeitpunkt lag ein Brief seiner Vermieterin (die übrigens im Erdgeschoss wohnt, aber mit persönlicher Kommunikation hat sie es nicht so) im Briefkasten. Er hatte die Nebenkostenabrechnung in Frage gestellt, weil er für das vergangene Jahr die doppelten Müllgebühren zahlen sollte – das hat er nur gesehen, weil er sich die Abrechnung genau angesehen hat, informiert hat sie ihn darüber nicht. Ihre Antwort bestand darin, dass es ziemlich unverschämt von ihm wäre, deshalb nachzufragen und Unverständnis darüber zu äußern, weil schließlich sei seine Freundin (also ich) seit zwei Jahren Untermieterin bei ihm und daher rechne sie den Müll nun per Person und nicht mehr per Haushalt ab, denn wir würden ständig die Restmülltonne vollstopfen. Und wenn sie schon mal dabei sei, werde sie ab jetzt einen Untermietzuschlag erheben. Da standen noch mehr nette und absurde Dinge drin, jedenfalls weiß ich nicht, ob ich Eliah jemals so wütend gesehen habe (ich habe ihm geraten, nicht runterzugehen und ihr die Fresse einzuschlagen). Es ist auch nicht das erste Mal, dass er Ärger mit ihr hat, die Frau hat nämlich echt ein Rad ab.

Er hat ihr einen ebenso netten Brief zurückgeschrieben, auf den es bisher keine Antwort gab. Wenn ich gewusst hätte, dass ich mit Eliah zusammen wohne, hätte ich ihn nicht das letzte Jahr genervt, dass ich mit ihm zusammenziehen will. Und dass wir nicht zusammen wohnen, ist schon daraus ersichtlich, dass mein Name nicht an der Tür steht, keine Post für mich kommt, ich nicht jeden Abend da bin und (bis auf ein paar Ausnahmen) gar nicht, wenn er beruflich unterwegs ist (und das sind ca. 2-3 Monate im Jahr). Inzwischen hat Eliah sogar herausgefunden, dass die Nachbarn aus dem Nachbarhaus ihren Müll einfach in der Restmülltonne seiner Vermieterin entsorgen. Und dann hätte ihr das auch auffallen können …

Die Parallelen sind, dass jeder von uns ohne Grundlage aggressiv beschuldigt wurde und das großen emotionalen Stress ausgelöst hat. Und jeder von uns hat Konsequnezen daraus gezogen, die einige größere Veränderungen nach sich ziehen. Bei mir beruflich, bei Age die Entscheidung, diesen Sommer umzuziehen. Und nun sind wir beim spannenden Punkt: Zieht er um oder ziehen wir dann zusammen? Er will sich noch nicht festlegen, sucht aber nach Wohnungen, die für zwei Personen geeignet wären. Abgesehen von dem Tag, an dem der Brief kam, lässt er sich auch nicht auf ein Gespräch darüber ein, während ich immer wieder Bemerkungen einstreue, wie schön das doch wäre. Zuerst war der Gedanke noch recht abstrakt, aber ich kann es mir immer besser vorstellen. Daumen drücken wäre toll.

St. Petersburger Springbrunnen

Wer errät, warum ich diesen Springbrunnen fotografiert habe (es liegt nicht daran, dass ich ihn so schön fand)?

Im Hintergrund übrigens, hinter den Bäumen, ist der Panzerkreuzer Aurora zu sehen, der als Symbol der Oktoberrevolution von 1917 gilt, da ein von ihm abgefeuerter Kanonenschuss das Signal zum Sturm auf den Winterpalast gab. Mir ist bei dem Aufenthalt auch mal wieder bewusst geworden, dass ich viel zu wenig über die russische Geschichte weiß.

Einen Vormittag haben wir im Sommergarten des Zaren verbracht, der hauptsächlich aus Springbrunnen besteht:

Auch im Peterhof gab es mehr als genug Springbrunnen. Die goldene Kaskade hatte ich schon im letzten Beitrag gezeigt.

Einmal waren wir auch nachts unterwegs, aber da liefert meine Kamera nicht so gute Fotos, daher hier nur eins von der Eremitage: