Mein Vater ist tot

Mein Vater ist Freitagabend gestorben. Er ist 57 Jahre geworden.

Selbst wenn ich mich Freitag früh dafür entschieden hätte, noch zu ihm zu fahren, wäre ich nicht mehr rechtzeitig eingetroffen, dafür wohnte er zu weit weg. Aber ich hatte mich Freitag noch nicht entscheiden können. Bisher ist das eher eine Erleichterung für mich, dass mir die Entscheidung abgenommen wurde.

Ist es so schwer, einem Sterbenden einen letzten Wunsch zu erfüllen? Im Falle meines Vaters ja.

Meine Schwester argumentiert mit seiner schwierigen Kindheit, dem Tod seiner Schwester mit Mitte 20, was sein Verhalten zwar nicht entschuldige, aber verständlich mache.

Sie argumentiert, der Ausbruch der MS mit Ende 20 habe ihm den Rest gegeben, danach habe er sozusagen einfach „zugemacht“. Fakt ist, dass die Krankheit so schwer verlaufen ist, weil mein Vater sich geweigert hat, zuzugeben, dass er krank ist und aufgrund der Krankheit Einschränkungen hat. Die vielen starken Schübe hätten nicht sein müssen, wenn er nicht so getan hätte, als könne er alles genau wie ein gesunder Mensch machen. Er hätte bestimmt noch zehn Jahre leben können. Mit einer höheren Lebensqualität, als er sie die letzten zehn Jahre hatte.

Sie argumentiert, die Krankheit habe seine negativen Eigenschaften verstärkt, die Gereiztheit, den Jähzorn, das wären Symptome von MS. Sie habe dafür gesorgt, dass er nicht mehr ausreichend reflektieren und sich daher ändern konnte. Und mich überfällt tatsächlich ein Schuldgefühl, jemanden im Stich gelassen zu haben, der doch gar nichts dafür könne, dass er so … war, wie er war.

Versteht mich nicht falsch, meine Schwester will mir nicht einreden, ich hätte mit dem Verweigern des Kontaktes die falsche Entscheidung getroffen. Sie hat für sich Begründungen gefunden, aus denen sie sagt, sie habe ihm verziehen und sich die letzten zwei Jahre um ihn gekümmert.

Ich schwanke, was das angeht. Jetzt gerade möchte ich es ihm nicht so leicht machen. Er hat keine Liebe in Kindheit und Jugend erfahren und wusste darum nicht, wie er uns seine zeigen solle (meine Schwester meint, er habe uns geliebt)? Unsere Kindheit und Jugend war auch nicht schön, aber sie kann ihren Sohn trotzdem liebevoll erziehen.

Ich glaube, ich grenze mich gerade sehr hart ab, damit ich nicht in Schuldgefühle rutsche. Denn jetzt ist meine Entscheidung endgültig. Ich muss mich damit auseinandersetzen, ob ich damit leben kann.

Mein Vater stirbt

Wahrscheinlich in den nächsten Tagen oder Wochen.

Ich möchte noch mal deutlich machen, dass mein Vater einer der unsympathischsten Menschen ist, die ich kenne. Und mich missbraucht hat. Ich kann nicht vorgeben, dass es mich groß berührt, dass er stirbt. Vielleicht kommt das noch. Ich werde aber auch kein schlechtes Gewissen haben, wenn das nicht der Fall ist.

Mein Vater müsste auch noch längst nicht sterben, wenn er nicht sein Leben lang hart daran gearbeitet hätte, sich selbst zugrundezurichten. Das macht mich wütend, dass ein Mensch sein Leben so wegschmeißt. Es macht mich auch wütend, dass er mich lieber missbraucht hat, als sich seinen Problemen zu stellen und eine Therapie zu machen.

Ich habe meiner Schwester zugesichert (die in derselben Stadt wie er wohnt und Kontakt hat), dass ich nach seinem Tod zu ihr kommen würde, um ihr mit dem ganzen Bürokratiekram zu helfen. Ich versuche sie auch jetzt schon bei dem zu unterstützen, was wir im Vorhinein regeln können.

Jetzt ist aber auch das letzte Mal der Zeitpunkt, mich zu fragen, ob ich bereit wäre, ihn zu besuchen. Durch die Therapie habe ich mich so stabilisert, dass ich nicht allein beim Gedanken daran, ihn zu treffen, Flashbacks bekomme. Ich kann aber natürlich nicht sagen, wie es wäre, wenn ich ihn tatsächlich sehe. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mir im Nachhinein wünschen würde, es getan zu haben, wenn ich mich dagegen entscheide. Vielleicht verändert sich auch das noch. Momentan ist die Frage, ob ich trotz allem bereit wäre, es für ihn zu tun (mit dem Wissen, dass er bis heute kein Unrechtsbewusstsein hat). Denn er hat sich gewünscht, dass ich ihn besuche.

 

Das Jobcenter hat kein Patent auf Absurdität

Wozu haben Sie das kostenpflichtige W-Lan des Hotels benötigt?

Warum haben Sie sich bei einem Flug um sechs Uhr morgens mit einem Taxiunternehmen zum Flughafen bringen lassen?

Wozu brauchen Sie ein Flugzeug, um in die USA zu kommen?

Solche Fragen muss Eliah beantworten, wenn er zu Konferenzen reist, um von seinem Arbeitgeber seine Auslagen erstattet zu bekommen. Und ich dachte mal, das Jobcenter hätte ein Alleinstellungsmerkmal, was Absurdität angeht.

Ich wäre bei der letzten Frage in Versuchung einzutragen: Weil ich nicht übers Wasser laufen kann.

Bußgelder: Irgendwas läuft doch schief

Wenn jemand durch sein Verhalten das Leben anderer gefährdet, ist das in Deutschland, zumindest wenn man von der Strafe Rückschlüsse zieht, genau so schlimm wie länger als drei Stunden vor einer Bordsteinabsenkung zu parken.

Mit normalem Abfall wie z. B. Taschentüchern, Zigarettenschachteln oder Bananenschalen die Umwelt zu verschmutzen, führt in Niedersachsen zu einem Bußgeld von 10-50 €.

Das Bußgeld, wenn man den Kot seines Hundes liegenlässt, beträgt in Niedersachsen 50-100 €, in Brandenburg 10-20 €.

Dafür, den Radweg in falscher Richtung zu benutzen, werden 20 € fällig.

Für das Nichtbilden einer Rettungsgasse muss man ebenfalls nur 20 € zahlen. In Österreich sind es 2.180 €.

Falls ihr auch findet, dass an diesem Verhältnis der Bußgelder zueinander etwas nicht stimmt, könnt ihr hier unterzeichnen:

https://www.openpetition.de/petition/online/hoehere-strafen-fuer-nicht-beachten-der-rettungsgasse

Billig fliegen: Irgendwas läuft doch schief …

Ein Direktflug von Hamburg nach Helsinki kostet mehr als ein Flug mit Zwischenstopp in Riga oder Stockholm. Von Bremen nach Helsinki kann man nur Flüge mit Zwischenstopp in Amsterdam, Frankfurt oder München nehmen, die ebenfalls günstiger sind als der Direktflug von Hamburg. Riga und Stockholm liegen ja immerhin auf dem Weg, aber mit Amsterdam, Frankfurt und München entferne ich mich von Helsinki und trotzdem ist das günstiger!!! DAS IST KRANK! Und es gehört verboten. Kann mir außerdem jemand erklären, wie das überhaupt möglich sein kann, dass zwei Flüge günstiger sind als einer?

Ich habe inzwischen kapituliert. Gäbe es einen Direktflug von Bremen würde ich versuchen, Eliah zu überzeugen, den aus Gründen des Umweltschutzes zu nehmen, aber nach Hamburg kommt noch mal einiges an Fahrtkosten dazu und mit der Anfahrt wäre der Direktflug dann auch nicht mehr schneller als von Bremen aus mit Zwischenstopp.

 

Geschenke von Charles de Gaulle

Wenn Freunde von Eliah von weit her zu Besuch kommen und über den Pariser Charles-de-Gaulle-Flughafen reisen, ist es fast schon Standard, mir von dort etwas mitzubringen.

Ihr dürft gerne raten, was drin war. Zeigen kann ich es nicht, die Packung ist schon leer. Einen Laden von Pierre Hermé gibt es am Flughafen nicht, aber Laduree gehört immerhin noch zu der unteren Stufe der besten Patisserien (nicht das ich mich beschweren will. Obwohl … wenn sie länger Aufenthalt haben, könnten sie ruhig nach Paris reinfahren, um mir was bei Hermé, Un Dimanche à Paris oder Hugo et Victor zu holen, findet ihr nicht? 😉 ).